Professur für Geschichte und Theorie der Architektur
Prof. Dr. Maarten Delbeke
Forschungsschwerpunkte

Die Forschung der Professur für Geschichte und Theorie der Architektur konzentriert sich auf die Geschichte der Architektur und Architekturtheorie in Europa von etwa 1450 bis 1850. Architekturtheorie wird dabei im weitesten Sinne verstanden: von der Poetik architektonischen Schaffens, wie sie in Traktaten dargestellt wird, bis hin zu jeder Art von Diskurs, Praxis, Akteur oder Artefakt, die Aufschluss darüber geben, wie Architektur als kulturelle Praxis in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten begriffen und legitimiert wurde. Die chronologische und geographische Eingrenzung des Forschungsgebiets ist hier eher als Orientierung zu verstehen denn als strikte Beschränkung.

Innerhalb dieses Forschungsfelds untersucht die Professur aus diachroner Perspektive spezielle architektonische Fragestellungen, insbesondere Wechselwirkungen mit anderen Disziplinen und Praktiken: beispielsweise die Frage der medialen Vermittelbarkeit von Architektur, nicht zuletzt im Vergleich mit derjenigen anderer bildender Künste, die Bedeutung von Techniken wie des Buchdrucks, oder auch das Verhältnis von Architektur zu Sprache und der so erst mögliche Transfer von Konzepten und Ideen.

Eine diachrone Sichtweise erfordert die Auseinandersetzung mit Historiographie und der Frage, wie sich das Schreiben von Architekturgeschichte und aktuelle Auffassungen von Architektur gegenseitig bedingen. Bisherige Forschungsprojekte der Professur widmeten sich beispielsweise der Präsenz des Barocken im architektonischen Denken des 20. Jahrhunderts oder architektonischen Ursprungsmythen, ein aktuelles Projekt ist die Untersuchung des Gesimses in seinen unterschiedlichsten Ausformungen und in Architekturdebatten frühneuzeitlicher Traktate bis hin zur aktuellen Praxis. Solch lange Geschichten als Forschungsgegenstand und -ambition werfen Fragen nach Übertragungsleistungen auf: Wie verorten sich Konzepte, Ideen, aber auch architektonische Formen und Praktiken in Raum und Zeit?

All das hinterfragt Medien und Instrumentarium der Architekturgeschichte. Digitalisierung und Datenbanken erlauben Wissenschaftlern den Zugriff auf einen immer vielfältigeren und breiteren Quellenfundus (was wir beispielsweise mit der Xenotheka ausloten), zudem vollzieht sich das Arbeiten und Veröffentlichen mittlerweile zunehmend an Bildschirmen eher als mit und auf Papier. Wenn die Suche nach einer entlegenen Quelle sich in das Filtern von zuviel Material verwandelt hat und die Veröffentlichung gewichtiger Monographien digitalem Publizieren weicht, wie schreiben wir dann Architekturgeschichte?


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